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Die Entscheidung für eine vegetarische/vegane Lebensweise war für mich eine ziemlich große Sache, wenn ich bedenke, dass ich, wie die Meisten von uns, mit dem Tieressen groß geworden bin. Auf einmal stellte ich mich gegen das, was mein ganzes Leben lang als selbstverständlich, normal und natürlich galt. Warum? Es gibt viele kleine und große Faktoren, die eine Rolle bei so einer Entscheidung spielen. Ich kann nur für mich sprechen und möchte euch deshalb meine persönliche Geschichte erzählen. Hier sollen keine allgemeinen Argumente für den Vegetarismus aufgezeigt werden, sondern nur, was mich persönlich bewegt hat, diese Entscheidung zu treffen. Los geht’s!

Im Teil 1 geht es um meiner Vorgeschichte: Wie war mein Verhältnis zum Essen von Tieren?

Wenn ich zurückblicke, merke ich, dass mein Verhältnis zum Fleischessen in meiner Kindheit total widersprüchlich und zwiespältig war. Einerseits habe ich Fleisch gegessen und es sogar genossen. Andererseits konnte ich bei der Vorstellung, dass das Essen auf meinem Teller mal ein Tier war und dass es ein totes Tier ist, manchmal keinen Bissen runterkriegen. Ich musste den Gedanken total ausschalten, damit ich Fleisch essen konnte. Eine Zeit lang, als ich vielleicht 8 Jahre alt war, war ich kurzzeitig sogar „Möchtegernvegetarierin“. „Ich esse kein Fleisch…nur das vom McDonalds oder vom Chinesen“, hab ich gesagt. Was nicht aussah wie Fleisch, war in Ordnung. Vegetarisch konnte man das bei Weitem nicht nennen.

Mit ungefähr 12 Jahren habe ich dann die grandiose Entscheidung getroffen, alles zu essen, was mir vorgesetzt wird. Ich wollte nicht wählerisch sein. Ausschlaggebend dafür war, so meine ich heute, dass ich anfing bei vielen Schüleraustauschen und Auslandreisen mitzumachen. Für mich war es damals schon wichtig, mich an die anderen Kulturen, Sitten und Familien anzupassen. Wenn ich bei Jemandem zu Gast war, dann wollte ich höflich und dankbar sein – und das essen, was mir serviert wird. Egal was. Egal ob Fleisch, Fisch (dessen Geschmack ich eigentlich schon immer eklig fand) oder irgendwas anderes, was mir damals nicht schmeckte. Inspiriert durch Anne Frank, die in ihrem Tagebuch beschreibt, wie sie durch ihre Fantasie das miese und eintönige Essen genießen konnte, dachte ich mir: Geschmack ist etwas Subjektives und meine Gedanken sind von mir steuerbar. Also ist am Ende alles nur in meinem Kopf und ich kann einfach selbst entscheiden: Mir schmeckt jetzt alles und ich esse jetzt auch alles. Dadurch habe ich es letztlich geschafft, alle Gedanken und Assoziationen mit Tieren beim Essen auszuschalten. Ich habe es gelernt, zu verdrängen, dass das, was ich esse, ein Lebewesen war, das leiden und Schmerz fühlen konnte. Und das ich eigentlich süß fand und sogar richtig gerne mochte. Das hat dazu geführt, dass ich Tiere aß, wie jeder andere auch: Jeden Tag und sogar mehrmals täglich – ob Salami, Leberwurst, Lyoner, Steak, Lachs, Thunfisch oder Garnelen.

So wirklich mit dem Thema Vegetarismus beschäftigt habe ich mich nie, denn ich kannte in meinem Umfeld niemanden, der so lebte und hatte mit diesem Gedanken eher abgeschlossen. Ab und zu kamen mir beim Essen vielleicht noch kurz die Tiere in den Sinn. Aber ich nahm jede Ausrede, die ich aufschnappte, immer gerne an, um mein Tieressen zu rechtfertigen – ohne wirklich darüber nachzudenken. Zum Beispiel erinnere ich mich noch genau, dass meine Cousine an einem Familientreffen einmal meinte: „Die Tiere sind ja sowieso schon tot. Ob wir das Fleisch nun essen oder nicht, das Tier wird dadurch nicht mehr lebendig.“ Logisch – hab ich mir gedacht. Heute weiß ich, dass das ganz und gar nicht logisch ist. (Angebot=Nachfrage –> wenn weniger Fleisch nachgefragt wird, dann wird weniger Fleisch angeboten, das heißt es werden weniger Tiere getötet. Das getötete Tier wird natürlich dadurch nicht wiederbelebt, aber ein anderes kann dafür leben – oder muss nicht geboren werden, um zu leiden.)

Mein Bild von Vegetariern (ich glaube, dass es so etwas wie Veganer gibt, war mir damals nicht einmal bewusst)? Meine eigene Gedankenmanipulation war so erfolgreich, dass ich mich mit Vegetariern überhaupt nicht identifizieren konnte. Generell hatte ich wenig Bezug zu ihnen. Wenn ich mal einen Vegetarier traf, dann war das für mich keine große Sache und auch überhaupt nicht von Interesse. „Jeder isst halt das, was er will“, dachte ich mir. Als ich mit 16 Jahren bei „Hungry Jack’s“ (der australischen Version des „Burger Kings“) essen wollte und ein vegetarischer Freund total bestürzt war, konnte ich das überhaupt nicht verstehen. Ich fand es unnötig, sich über so etwas „Banales“ so viele Gedanken zu machen. Ich wollte einfach mein Leben genießen und dachte mir: „Es sind ja nur Tiere und die sind zum Essen da!“

Ich hatte ja keine Ahnung von den Auswirkungen des Fleischkonsums!

So viel zu meiner Vorgeschichte…

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Hier geht’s zum zweiten Teil von „Meine Geschichte: Wie bin ich Vegetarierin/Veganerin geworden?“

Bildquelle: http://es.simpsons.wikia.com/wiki/Lisa_the_Vegetarian